Arbeitskräfteüberlassung – Chancen trotz Krise!

am Montag dem 30. März 2009 um 15:14 Alter: (vor 1 Jahren)

Natürlich sind es zuerst die überlassenen Arbeitskräfte, die in Zeiten eines Wirtschaftsabschwunges von betroffenen Betrieben abgebaut werden. Dieser Abbau bedeutet aber keinesfalls automatisch die Arbeitslosigkeit für die betroffenen Arbeitskräfte.

Hier wurde in den letzten Wochen vieles in den Medien verzerrt dargestellt. Es zählt ja gerade zum Kerngeschäft des Arbeitskräfteüberlassers, für seine Mitarbeiter Beschäftigung zu finden. Für den überwiegenden Teil der qualifizierten Arbeitskräfte ist dies bislang der Branche auch gelungen.

Oberösterreich ist nach Zeiten der Vollbeschäftigung, als exportorientiertes Bundesland mit hohem Industrieanteil, besonders stark vom generellen Anstieg der Arbeitslosigkeit betroffen.

Ebenfalls nicht übersehen werden darf, dass der Mitarbeiterstand der Branche derzeit saisonal bedingt um rd. 50% niedriger als in den Sommermonaten ist. Die Beschäftigungsentwicklung in den Wintermonaten hängt stark vom Auftragsstand in der Bauwirtschaft ab. 2008 war ein besonders milder Winter zu verzeichnen. So konnte vielfach durchgearbeitet werden und der Beschäftigtenstand im Vergleichszeitraum war überdurchschnittlich hoch.

2009 haben wir in diesem Bereich wieder den Normalzustand erreicht. Im Bauhaupt– und Baunebengewerbe sowie in den klassischen Handwerksberufen werden in manchen Bereichen sogar noch Fachkräfte gesucht. Die letzte Energiesparmesse in Wels hat deutlich gezeigt, dass Konsumenten ihre Ersparnisse jetzt verstärkt in die thermische Sanierung ihrer Privathäuser und in die Verbesserung ihrer Wohnqualität investieren möchten. Die damit befassten Branchen sind daher auch für uns Arbeitskräfteüberlasser jene Kundensegmente, für die wir 2009 keine großen Probleme erwarten.

Unternehmer, die die Dienstleistung der Arbeitskräfteüberlasser in Anspruch nehmen ist es damit möglich, den Personalstand relativ rasch und flexibel dem jeweiligen Auftragsstand anzupassen – in Zeiten boomender Wirtschaft bedeutet das eine verstärkte Nachfrage in unserer Branche und in Zeiten wirtschaftlichen Abschwunges eben auch eine verstärkte Rückstellung von Mitarbeitern.

In den letzten Jahren war die Branche generell von steigender Nachfrage und Umsatzzuwächsen verwöhnt. In dieser in Österreich noch sehr jungen Branche sind daher einige der Arbeitskräfteüberlasser, die erst kurz am Markt tätig sind, zum ersten Mal damit konfrontiert, dass sich das Geschäft auch rückläufig entwickeln kann. Gerade in diesen herausfordernden Zeiten ist es besonders wichtig, als Arbeitskräfteüberlasser auf eine breite Angebotspalette an Mitarbeiter¬qualifikationen und eine Kundenstruktur zurückgreifen zu können, die nicht nur in einem Wirtschaftssegment konzentriert ist. Gut strukturierte, qualitätsorientierte und automatisierte Arbeitsabläufe helfen jedem Unternehmer, Kostenstrukturen zu optimieren und einer allfälligen Krise zu trotzen.

Arbeitskräfteüberlasser mit „Klumpenrisiko“ (viele Mitarbeiter bei wenigen Kunden beschäftigt), besonders jene, die sich auf die Überlassung von Personal im Bereich der Automobil- und deren Zulieferindustrie spezialisiert haben, trifft es momentan besonders hart und das sind auch jene, um die wir uns Sorgen machen müssen, so Zehetner.

Überzeugt ist Zehetner auch davon, dass es zu einer Konsolidierung am Österreichischen Arbeitskräfteüberlassermarkt kommen wird. „Ich rechne damit, dass sich durch die Krise die Anzahl der österreichischen Überlasser um ein Viertel verringern wird. Schwierig wird es besonders für einige, auf die Industrie spezialisierte Großen der Branche sowie einige mittlere Unternehmen mit wenigen Kunden und einer starken Spezialisierung auf die Industrie.

Für „Newcomer“ in der Arbeitskräfteüberlassung stehen die Zeiten ebenfalls eher auf Sturm. Ich rechne auch damit, dass es zu weiteren Zusammenschlüssen innerhalb der Branche kommen wird und die Karten in der Arbeitskräfteüberlassung damit neu gemischt werden, prophezeit Zehetner.

Besonders schwierig sind Prognosen für das kommende Jahr. Erfahrungen aus der Vergangenheit zeigen in Krisensituationen einen deutlichen Rückgang bei der Anzahl der Überlasser und deren Mitarbeitern bei gleichzeitiger Zunahme der Kunden. Gerade diese Zunahme bei den Beschäftigerbetrieben ist für Zehetner nicht überraschend.

Unsere Kunden bauen in wirtschaftlich schwierigen Zeiten auch eigenes Personal ab und haben dann im Falle von Auftragsspitzen oder unerwarteten Absenzen beim verbleibenden Personal (Krankheit, Unfall, Pflegeurlaub, etc.) einen akuten Bedarf nach unseren Dienstleistungen.

Solange das Vertrauen in einen Wirtschaftsaufschwung nicht nachhaltig ist, wird bei unseren Kunden kaum zusätzliches eigenes Personal eingestellt.

Auch hier greift man lieber auf die Dienste der Arbeitskräfteüberlasser zurück. Einige unserer Kunden nutzen die Dienstleistung auch als zusätzliche Finanzierungs¬quelle um Liquidität im Betrieb zu sichern, da die Rechnung des Arbeitskräfteüber¬lassers in der Regel später bezahlt wird als die Löhne/Gehälter der eigenen Mitarbeiter.

Sobald ein Konjunkturaufschwung substanziell bemerkbar ist, wird die Anzahl der Beschäftigten in der Branche wieder rapid nach oben gehen, auch das haben die letzten Krisen gezeigt.

Das größte Risiko für seine Branche sieht Zehetner derzeit aber in drohenden Forderungsausfällen. Es ist zu erwarten, dass die Anzahl der Insolvenzen generell und damit auch bei Beschäftigerbetrieben zunehmen wird. Weil ein Arbeitskräfteüberlasser - unabhängig ob er seine Rechnung vom Kunden bezahlt bekommt oder nicht – selbstverständlich die Löhne/Gehälter und Sozialabgaben für seine Mitarbeiter zu zahlen hat, schmerzt das doppelt.

Zehetner fordert daher seit Jahren eine Änderung des IESG (Insolvenz Entgelt Sicherungs Fonds), damit im Falle einer Kundeninsolvenz zumindest die bereits bezahlten Löhne und Sozialabgaben aus dem Fonds an den Arbeitskräfteüberlasser zurückbezahlt werden.

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